Es ist bitter, wenn ich mit manchen Bekannten über deren Altersvorsorge spreche. „Ja, ich weiß, Axel, Lebensversicherung ist legaler Betrug. Deswegen setze ich auf Fonds und ETFs!“ höre ich oft. Bei meiner Nachfrage, was sie genau machen, werden sie wortkarger. „Das hat mir ein Bekannter empfohlen. Was das genau ist, weiß ich nicht. Ich habe da in so einen Index investiert.“
Wenn der Begriff „Index“ fällt, werde ich stutzig. Wer denn der Vertragspartner sei? Dann fällt oft der Namen eines Versicherers. „Aber das ist keine Lebensversicherung, das ist mit Fonds!“ soll ich dann beschwichtigt werden. Aber stimmt das?
Gerne werden inzwischen Indexpolicen, hybride Tarife oder die „neue Klassik“ als Fondsanlage verkauft. Was die meisten dieser Angebote verbindet: Es wird mit „Fonds“ geworben, tatsächlich landet aber fast alles im klassischen Deckungsstock und nur wenig im Fonds oder ETF. Stattdessen wird also die alte, klassische Lebensversicherung verkauft – wer da an Mogelpackung denkt, liegt dann nicht falsch.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Wenn ein Versicherer mit der klassischen Anlage gut arbeitet, kann das (theoretisch) auch gut für den Kunden sein. Was aber schlecht für die Versicherten ist: Kaum einer hat die Chance zu verstehen, dass zwar Fonds draufsteht, aber eben keine echte Fondsanlage dahintersteht.
Der Kunde kann bei solchen irreführenden Informationen keine Entscheidung „in voller Kenntnis der Sachlage“ treffen, wenn er den Vertrag unterschreibt. Das muss er aber können, zumindest seit Februar 2019 – nach den Regeln der IDD.
Ich finde, da fehlt dann eine hinreichende Transparenz und damit auch der Kundennutzen. Manche Juristen sagen, dass der Vertrag dann womöglich rückabgewickelt werden kann …
PS: Dumm, wenn ein Vermittler so was als „Fondsanlage“ verkauft hat. Denn dann steht er womöglich schon tief in der Beraterhaftungsfalle und weiß es noch gar nicht.